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50 Jahre Müggelturm / Rückblick auf eine ereignisreiche Geschichte

Aus privatem Vergnügen ließ Kommerzienrat Carl Spindler in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts auf dem kleinen Müggelberg einen zehn Meter hohen, aus Rundhölzern zusammengefügten Turm erbauen, dessen Spitze man nur über eine einfache Sprossenleiter  erreichen konnte. Da sich der „Spindlerturm“ regen Zulauf erfreute, schickte Spindler eine Anfrage an das Königliche Forstamt Cöpenick für den Bau eines

richtigen Turmes mit Bewirtschaftung. Am 1. Mai 1889 wurde das Einverständnis zum Bau des Turmes gegeben. Ein Jahr später wurde der neue Müggelturm eingeweiht. Er war 33,45 Meter hoch, mit Schindeln verkleidet und im Stilmix italienischer Renaissance und chinesischer Pagode von den Architekten Jacob und Rosemann erbaut worden. Die Grundfläche betrug 5x5 Meter und verjüngte sich bis zur Aussichtsplattform auf 2,80 x 2,80 Meter. Die Plattform erlaubte einen Rundblick bis 50 Kilometer Entfernung. Bereits im ersten Jahr

kamen 52.000 Besucher. Im Erdgeschoß befand sich eine Restauration, die Spindler verpachtete und so die Kosten für den Bau von 40.000 Reichsmark wieder einspielte. 1924 kaufte der Rheinländer Baumeister Walter Wichelhausen das gesamte Bauwerk für 15.000 Reichsmark. Er erweiterte die Anlage durch einen Bierkeller, ein Stallgebäude und eine Wohnung. An der südlichen Seite erbaute er 1927 das jetzt noch existierende massive Untergeschoß mit Gastronomie, Terrasse, kleinem Saal und Ausstellungsraum. Dort wurden zusammen mit dem Märkischen Museum eine Ausstellung über vorgeschichtliche Funde in der Müggellandschaft gezeigt. So

erfuhren die Besucher viel über die Kultur der menschen der Stein-, Bronze- und Eiszeit. Und sie lernten die Sprewanen kennen. Das war ein wendischer Stamm, der in der Gegend lebte. Ausgrabungen hatten ergeben, dass früher auf dem kleinen Müggelberg eine Halle der Sprewanen stand, die als Kultstätte diente. Ein bekanntes Exponat war auch ein Mammutbackenzahn. 1942 wurden alle Ausstellungstücke in die am Langen See liegende Ausflugsgaststätte „Schmetterlingshorst“ umgesiedelt. Dort konnte man die weltberühmte Faltersammlung des Gaststättenbesitzers Büttner bestaunen. Beide Sammlungen gingen im Krieg bei Bombenangriffen verloren. Am 19. Mai 1958 brannte der Müggelturm bis auf seine Grundmauern ab. Der Turm, der an eine hölzerne Pagode erinnerte, war unwiederbringlich verloren. Die DDR nutzte den Wiederaufbau als Symbol sozialistischer Gemeinschaftsarbeit und baute ihn aus Beton wieder auf. Was genau die Ursache für den Brand war, ist damals nie geklärt worden. Die Rede war von Funkenflug bei Schweißarbeiten am Turm. Denn zum Zeitpunkt des Brandes war der Turm bereits seit mehr als einem Jahr baupolizeilich gesperrt. Wind und Wetter hatten der Holzkonstruktion stark zugesetzt. Außerdem war die Holzkonstruktion voller Schädlinge. Der Turm sollte durch ein Stahlbetonfundament und ein Stahlfachwerkgerüst gesichert werden. Bereits seit Wochen wurde das Holz während der Schweißarbeiten mit Wasser berieselt. Fakt ist, dass der Brand ausbrach, als die Arbeiter schon längst Feierabend hatten. Nach dem Brand geht ein Aufschrei des Entsetzens durch die Reihen der Berliner. Wie es denn nun weiterginge, ob man helfen könne, waren die Fragen. Schon zwei Tage nach dem Brand meldete die Berliner Zeitung: „Der Müggelturm wird wieder aufgebaut“ – eine Volksinitiative. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, ein Architekturwettbewerb ausgelobt. Nahezu alle Teilnehmer bevorzugen moderne Varianten, kaum einer sehnt sich nach einer historischen Holzkonstruktion zurück. Vier Architekturstudenten machen letztlich das Rennen. Der Turm aus Stahlbeton soll

nach ihren Plänen oval sein und in der Längsachse Richtung Regattastrecke Grünau und Müggelsee weisen. Der Turm erhebt sich über ein von Terrassen umgebenes, atriumförmiges Restaurant. Da er frei in der Landschaft steht, ist er trotz seiner schlanken Silhouette weithin sichtbar. Die acht offenen Balkone sind naturfarben gehalten, die geschlossenen Seiten nach Ost und West in einem kräftigen Rotbraun. Der Gaststättenbetrieb ist auf drei Ebenen geplant und soll 700 Gästen Platz bieten. Doch nach dem offiziellen Magistratsbeschluss kam das böse Erwachen. Gravierende Änderungen in der Planung wurden gefordert: Die ovale Form sei zu kostspielig, die offenen Treppenpodeste erung kamen insgesamt 130 000 Mark zuzüglich 3700 freiwilliger Aufbaustunden. Außerdem wurden Technik und Material spendiert, Fach- und Handwerksarbeiten unentgeltlich durchgeführt. Leider dümpelt der Turm seit Jahren vor sich sollten nun geschlossen werden, da sie zu sehr der Witterung ausgesetzt seien. Nur die schmale Silhouette, die sich hoch über die Müggelberge erstreckt, ist in der Umsetzung erhalten geblieben. 29,61 Meter und 126 Stufen hoch erstreckt sich der neue Müggelturm, der am 30. Dezember 1961 in den verschneiten Müggelbergen eröffnet wurde. Knapp zwei Millionen Mark kostete der Wiederaufbau, einschließlich der neuen Zufahrtsstraße. Von der Bevölkin, seine Zukunft ist nach wie vor ungewiss, obwohl es einen Investor geben soll, der das zur Ruine verkommene Restaurant ebenso wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen wolle wie alles andere. Quelle: Auszugsweise aus Müggelheimer Bote von Simone Jacobius. Fotos: Klaus Tolkmitt

 

In den Hinterhöfen fand "Pinselheinrich" sein "Milljöh"

Heinrich Zille - ein Berliner Original -

Heinrich Rudolf Zille, am 10. Januar1858 in Radeburg bei Dresden geboren war ein deutscher Grafiker, Lithograf, Maler, Zeichner und Fotograf. In seiner Kunst bevorzugte der „Pinselheinrich“ genannte Zille Themen aus dem Berliner Volksleben, das er ebenso lokalpatriotisch wie sozialkritisch darstellte.

Heinrich Zille war Sohn des Uhrmachers Johann Traugott Zille und dessen Ehefrau Ernestine, einer Bergmannstochter aus dem Erzgebirge. Der Vater war zunächst Grobschmied, besaß aber soviel handwerkliches Geschick und technische Begabung, dass er es bald zum Uhrmacher, Goldschmied

und Erfinder von Werkzeugen brachte. Heinrich Zille wurde in der sächsischen Kleinstadt Radeburg (bei Dresden) in einem Hintergebäude des heutigen Hauses Markt 11 geboren, an dem eine Gedenktafel an ihn erinnert. Seine Kindheit und Jugend war nicht unbeschwert; der Vater saß mehrmals im Schuldgefängnis und Gläubiger ängstigten die Familie so sehr, dass der junge Zille oft zur Großmutter gegeben wurde. 1867 flüchtete die Familie vor den Schuldeneintreibern nach Berlin. Bis zu Heinrichs 14. Lebensjahr hauste die Familie dort unter ärmlichen Bedingungen in einer Kellerwohnung in der Kleinen Andreasstraße 17, nahe dem Schlesischen Bahnhof. Das Essen besorgte die Familie sich meistens aus der Volksküche. Heinrich Zille musste als Schulkind durch diverse Arbeiten, wie Milch, Brötchen und Zeitungen austragen, Gepäckträger und Botendienste Geld hinzu verdienen. Schon früh beeindruckten Heinrich Zille die Stiche des englischen Zeichners Hogarth, die er in Pfennigmagazinen entdeckte. Noch auf der Schule begann

er Zeichenunterricht zu nehmen. Sein Zeichenlehrer Spanner ermunterte ihn bei einem Gespräch über seinen Berufswunsch, er solle doch Lithograph werden: „Das beste is, du lernst Lithograph. Zeichnen kannste, und du sitzt in ’ner warmen Stube, immer fein mit Schlips und Kragen. Und dann wirst du mit ‚Sie‘ angeredet. Was willst du mehr?“ Nach dem Willen seines Vaters sollte Zille ursprünglich Metzger werden, er konnte jedoch kein Blut sehen, also ging er bei dem Steinzeichner Fritz Hecht an der Alten Jakobstraße in die Lehre. Parallel nahm Heinrich Zille Studien bei dem Maler, Illustrator und Karikaturisten Professor Theodor Hosemann an der „Königlichen Kunstschule“ auf. Hosemann war ein humorvoller und präziser künstlerischer Beobachter des Altberliner Kleinbürgers und Spießers. Hosemann gab dem Schüler Zille den Rat mit auf den Weg: „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus, ins Freie, beobachten Sie selber, das ist besser, als wenn Sie mich kopieren. Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann Heinrich Zille immer bewusster, Szenen aus der proletarischen Unterschicht für sich als Sujet zu entdecken. Zille fand sein „Milljöh“ in den Hinterhöfen der Mietskasernen, Seitengassen und Kaschemmen der Arbeiterviertel. 1907 wurde Zille deswegen von der Photographischen Gesellschaft entlassen. Den Fünfzigjährigen traf

dies hart: Er war verbittert, empört und zutiefst bestürzt. Es sollte eine Zeit dauern, bis Zille begriff, dass er sich hier an der Schwelle zu einem völlig neuen Lebensabschnitt befand: weg vom jahrzehntelangen Werkstattleben hin zum wahren Leben draußen vor der Haustür. Er erinnerte sich an die Worte seines ehemaligen Professors: „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus…“. Heinrich Zille begann erst nach seiner Entlassung als freier Künstler zu arbeiten und fand nun den für ihn so typischen Duktus, der, mit seinen berlinerischen Texten, Kurzgeschichten und Bonmots versehen, seine Zeichnungen so originell machte. Mittlerweile war der „Pinselheinrich“, wie er liebevoll genannt wurde, in Berlin kein Unbekannter mehr und genoss bereits einen gewissen Ruhm als virtuoser Portraitzeichner. Zilles Arbeiten stießen mit ihrer spöttischen Sozialkritik an der Wilhelminischen Zeit nicht immer auf Gegenliebe. Hinter seinen teilweise bitterbösen Zeichnungen

versteckten sich Tragik und Abgrund. In den letzten Lebensjahren veröffentlichte Heinrich Zille noch zahlreiche Zeichnungen in der Berliner Satire-Zeitschrift Ulk. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte Zille ein Jahr vor seinem Tod mit den großen Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburtstag. Im Märkischen Museum wurde eine Retrospektive seiner Werke unter dem Titel „Zilles Werdegang“ ausgestellt. Im Februar 1929 erlitt Zille schließlich einen ersten, im Mai einen zweiten Schlaganfall. In der Folgezeit zog sich der Künstler immer mehr zurück und ließ an seiner Wohnungstür mit einer gezeichneten Postkarte in zittriger Handschrift ausrichten: „Bin krank. Bitte keinen Besuch.“ Heinrich Zille starb am Morgen des 9. August 1929. Er erhielt ein Berliner Ehrenbegräbnis auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf Begräbnisblock Epiphanien (Feld 14, Gartenstelle 34/35). Rund 2000 namhafte Trauergäste, darunter viele Künstlerkollegen und einfache Leute aus dem Volk folgten dem Sarg. Ein Schild und ein Stein weisen den Weg „zu Zille“.

Berliner Wochenmärkte

Alte Apfelsorten und Lammfelle, Molkereiprodukte und Puppenkleider - auf Wochenmärkten kaufen die Berliner Originelles und Gesundes, oder pflegen einfach nur gute Nachbarschaft

In Neukölln trifft Orient auf Bio und Design

 

Als "Türkenmarkt" hat er sich den Platz in vielen Reiseführern erobert. Der bekannte Neuköllner Markt am Landwehrkanal hat 2007 ein neues Motto bekommen: "BiOriental". Das steht für einen Mix aus traditioneller orientalischer Atmosphäre und Bio-Produkten. 120 bis 150 Händler sind an

den beiden Markttagen der Woche am Maybachufer. Vor allem Obst, Gemüse und Lebensmittel offerieren sie ihrem touristischen wie einheimischen und jung-hippen Publikum. Sonnabends findet auf der Marktmeile mit "Neuköllner Stoff" zudem ein Stoff-, Mode- und Designmarkt statt.

Wochenmarkt am Maybachufer Neukölln, U8 Schönleinstraße, U1, U8 Kottbusser Tor, Di., Fr. von 11-18.30 Uhr Fotos: Klaus Tolkmitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

RUND UM DIE BERGMANNSTRASSE

 

 

Hier spielt sich das Leben draußen ab

 

Ob Sommer oder Winter, der beste Platz in der Kreuzberger Bergmannstraße ist immer noch draußen. Dem regen Treiben lässt sich am besten bei Kaffee, Tee oder Wein von einer der vielen Schankterrassen aus zusehen. Die Tische und Stühle der zahlreichen Straßencafés sind manchmal

 

auch noch im Spätherbst gut besetzt. Studenten, Ladenbesitzer und Angestellte laufen mal schneller, mal langsamer an den Lokalitäten vorbei. Eher gemächlich schlendern Touristen durch die Multikulti-Meile, die sich wegen ihres besonderen Flairs längst als ein Muss in allen Reiseführern wiederfindet. Zwischen den immer weniger werdenden Trödelläden hat sich eine bunte Mischung aus Geschäften und Kneipen etabliert. Ob trendige Taschen aus Lkw-Planen, maßgefertigte Schuhe, Hängematten, alte Platten oder Lack und Leder – in der Bergmannstraße bieten die meisten Einzelhändler Waren an, die individuellen Wünschen entgegenkommen.

Italienische Antipasti, spanische Tapas, exotische Kräuter oder frischer Fisch, hinter den Verkaufsständen in der Marheinekehalle lässt sich an den Imbisstheken das Gewünschte in Ruhe verkosten. Als Markthalle Nummer elf 1892 eröffnet, beherbergte sie damals 290 Stände von je vier Quadratmetern. Viele Berufstätige aus den umliegenden Büros, Läden und Praxen nutzen heute die Markthalle mittags als Kantine. Der Bergmannkiez mit seinen schönen Altbauten ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Wohnviertel. Mehr als 100 000 Menschen leben im Quartier. Davon

sind 15 Prozent Studenten und 22,5 Prozent Selbstständige. Nach einer Studie des Stadtforschungsinstituts Topos weist das ehemalige Sanierungsgebiet zwischen Südstern, Blücher-, Bergmannstraße und Mehringdamm die höchste Wohnzufriedenheit in der Berliner Innenstadt auf. Dabei spielen für die Bewohner vor allem die guten nachbarschaftlichen Kontakte eine große Rolle. Parkplätze sind an der Bummelmeile weiterhin Mangelware. Obgleich mehr als die Hälfte der Anwohner kein Auto besitzt.

Impressum: Eine Anzeigen-Sonderveröffentlichung der Service- und Entwicklungsredaktion für die

Beschreibungstext neben dem BiBerliner Morgenpost Anzeigen: Stephan Madel (verantw.) Verkauf: Ralf Jacobius (ralf.jacobius@axelspringer.de)

 

Fotos: Klaus Tolkmitt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kiezgeschichte

1837 erhielt der damalige Weinbergsweg den Namen Bergmannstraße. Sie erinnert damit an die Großgrundbesitzerin Marie Luise Bergmann. Ihrer Familie gehörten die Ländereien zwischen der heutigen Friesen- und Fidicinstraße. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet noch

landwirtschaftlich genutzt und am Tempelhofer Berg – heute Viktoriapark – Wein angebaut. Diese Tradition wurde 1968 aufgefrischt, und inzwischen erntet der Bezirk jährlich etwa 800 Kilogramm Trauben, die zu Kreuz-Neroberger verarbeitet werden. Prägend für das Areal rund um den Mehringdamm waren zudem die großen Manöver- und Exerzierplätze vor den Toren Berlins. Die ehemaligen Kasernenbauten, die heute das Finanzamt Kreuzberg oder die Kraftfahrzeugzulassungsstelle (Jüterboger Straße) beherbergen, erinnern an die militärische Vergangenheit. Mitte der 1870er-Jahre setzte der Bauboom rund um die

Bergmannstraße ein. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die Häuser mit den Nummern 10, 12, 13 sowie 15 bis 19. Damals war der Zuzug so stark, dass die 1888 errichtete Heilig-Kreuz-Kirche sonntags bis zu fünf Gottesdienste abhalten musste. Wegen des starken Zulaufs wurde 1905 die Passionskirche am Marheinekeplatz gebaut.

Foto: Klaus Tolkmitt

 

 

 

 

 

 

Der Geheimtipp im Kiez-Rummel

Für Berliner, ganz besonders aber auch für Touristen gibt es einen Geheimtipp, wenn man ein außergewöhnliches Geschenk sucht, Puppensammler ist, oder Künstlern bei der Arbeit über die

Schulter schauen möchte. Der Fachwerkhof in der Solmsstraße/Ecke Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg ist eine Oase der Ruhe und Inspiration. In dem sehr schönen historisch erhaltenen Hof

haben zwei Künstler ihr Atelier eröffnet. „Uns Künstler (Wort-, Haar,  Holz,  Back-,  Papier-,  Stoff-,  Ton-,  Seelen-Kunst) eint die Muse im ruhigen Hof abseits des Kommerzes. Und doch ist der Ort mittendrin im Kreuzberger Bergmannstrassen-Kiez-Rummel“, so Karl Schlarb, der mit einer völlig neuen Idee Designer-Puppen in mühevoller Handarbeit kreiert. Seine wunderschönen „alla hopp Puppen“ eignen sich hervorragend zur Dekoration und künstlerischen Gestaltung. „Ich verwende zwar auch literarische Vorlagen, jedoch bleibt jede Puppe ein unverwechselbares Unikat“, so der Künstler, der erst seit Juni 2010 interessierte Besucher in seiner Puppenwerkstatt empfängt.

 

 

 Fotos: Klaus Tolkmitt

 

Im Zentrum von Schlarbs Arbeit stehen Nachbildungen berühmter literarischer Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Franz Kafka, Virginia Woolf, Thomas Mann und Kunst-Figuren wie Arthur ("ARTtour mit Arthur"), deren Reisen man auf der Website allahopppuppen.de in Fotostrecken verfolgen kann. Auch Künstler wie David Bowie finden sich unter den Puppen. Bald bekommen die im Sitzen um die 40 cm hohen Gestalten Gesellschaft von Klaus Nomi und Björk für ein ganz besonderes Konzert für die Augen. Dabei sind sie weder Marionetten noch Theaterpuppen, sondern handgenähte Unikate aus Baumwolle. Mit kleinen Styroporkugeln und feinem Sand gefüllt, tragen sie zum handmodellierten Kopf individuelle Gewänder.


Die Idee, Nachbildungen lebender Personen zu schaffen, ist archaisch. In ihr manifestiert sich der Wunsch nach Erinnerung und Unsterblichkeit. Das Spiel mit Puppen holt diesen Wunsch ins räumliche Erleben und unterstützt die eigene Identitäts- und Persönlichkeitsbildung. Karl Schlarbs Puppen spielen mit dieser Idee. In Anlehnung an die Tradition Lotte Pritzles, Hans Bellmers und Hannah Hochs sind sie Avantgarde und Dada, feingliedrig und - anwesend. Und können, je nach Kontext oder Laune ihres Besitzers tanzen, schlendern, schweben, ruhen.
Ob man nun mit der in ein Amadeus-Hemdchen gewandeten Kunstfigur Arthur in Sanssouci auf Radtour geht oder mit Heinrich Heine eine Tasse Tee trinkt, stets entsteht eine Atmosphäre liebevoller Intimität. Auch im großen Kind, das Berlin und die ganze Welt sein Zuhause nennt, erwacht eine unbändige Lust zu spielen und zu staunen.

Die Vision bewegliche Skulpturen in eleganten Kostümen herzustellen, verwirklicht der gebürtige Pfälzer, der 1990 nach Berlin kam und am Lette Verein Modedesign studierte, seit zwei Jahren. Viele seiner alla hopp Puppen sind mittlerweile im europäischen Ausland zuhause. Liebhaber schöner Dinge nahmen sie mit nach Griechenland, Israel, England, Frankreich und in viele andere Länder. Ob sie dort literarische Szenen nachspielen, Lesungen oder Geschäftsauslagen illustrieren oder ganz einfach gut aussehend Interieurs bevölkern?

Wie das Leben auch spielt - das alla hopp freut sich auf Ihren Besuch!
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